Stimme

“Ich wollte aktiv mitgestalten”

Squashspielerin und Spielersprecherin Aylin Günsav spricht mit uns über ihre Sportart und die Motivation die Interessen der Athlet*innen in ihrem Verband zu vertreten.

Hallo Aylin, erzähl doch zum Start einfach mal etwas über dich. Wer bist du, was machst du?
Ich bin Aylin Günsav, Squashspielerin und seit drei Jahren Spielersprecherin im deutschen Squashverband (DSQV). Ich habe vor 2 Jahren mein Bachelorstudium im Studiengang Wirtschaftsingenieurswesen abgeschlossen und arbeite nun in meinem Ausbildungsunternehmen in Stuttgart.

Wie kamst du zum Squash?
Ich bin durch meine Eltern zum Squash gekommen. Meine Eltern spielen das auch beide. Leider ist die Sportart in Deutschland sonst nicht so bekannt. Ich liebe es, dass ich mich beim Squash total auspowern kann. Der Sport ist eine Kombination aus vielen Dingen: Es kommen unter anderem Taktik, Technik, Ausdauer und Schnelligkeit zusammen. Man kann alles geben.  Das finde ich auch heute noch faszinierend.

Ein bisschen hast du es schon deutlich gemacht, aber was ist für dich das Besondere am Squash?
Für mich ist das Besondere, dass man auf sich allein gestellt ist. Das kann nämlich Vor- und Nachteil sein. An der Weltspitze kann jeder einen guten Schlag machen. Es läuft also vieles über die mentale Stärke.

Wie trainieren Squasher ihre mentale Stärke?
Die meisten Profis haben neben einem Fitness- und Squashcoach auch einen Mentalcoach, der mit ihnen arbeitet. Da jede*r Spieler*in anders tickt, ist auch das Mentaltraining bei jedem anders. Vom deutschen Squashverband gab es vergangenes Jahr ein Onlineprogramm für Kaderathlet*innen bei dem Mentalcoaching zur Verfügung gestellt wurde.

Wie kam es dazu, dass du Spielersprecherin geworden bist?
Ein paar Wochen vor der Deutschen Meisterschaft, bei welcher jährlich zwei neue Spielersprecher (ein Mann und eine Frau) gewählt werden, hab ich mir überlegt, dass es interessant wäre, aktiv im DSQV mitzuwirken und Ideen einzubringen. Ich habe mich also zur Wahl aufstellen lassen und wurde nach meiner ersten Wahl 2019 auch 2020 wiedergewählt.

Was war deine Motivation?
Ich wollte aktiv mitgestalten. Meine Aufgabe ist es, die Interessen von den Spieler*innen zu vertreten. Wenn unter den Spieler*innen eine Idee aufkommt, dann bringe ich diese im DSQV ein. Und andersrum vertrete ich vor dem Sportausschuss die Interessen der Athlet*innen.

Wie sieht es mit der Gleichberechtigung in deiner Sportart aus?
Die Turniere für Damen und Herren finden immer zusammen statt. Allerdings bekommen die Herren in der Regel mehr Preisgeld für die gleiche Punktanzahl. Der Grund dafür ist aber, dass das Teilnehmerfeld bei den Herren größer ist.
International ist die Teilnehmerzahl und auch das Preisgeld aber gleich.

Hast du schon persönliche Highlights/Lowlights während deiner Amtszeit erlebt?
Ich habe schon Sachen eingebracht und bin auch bei einigen Abstimmungen dabei gewesen. Gerade in der Corona-Zeit ging es viel darum, ob man Wettkämpfe verschiebt. Dass sind momentan also Fragen, auf die man eigentlich nur mit ja antworten kann. Außerdem habe ich für unsere Social Media Seite schon Ideen eingebracht.

Was sind die größten Herausforderungen für dich?
Ich finde es besonders unangenehm, wenn es Abstimmungen zu Spieler*innen gibt. Das heißt: Etwas ist vorgefallen und man muss neutral beurteilen, ob es eine Strafe gibt oder nicht. Ich find es zwar gut, dass man da dabei ist, dennoch ist es schwer, weil ich mir immer denke: „Das ist ja einer von uns.“

Squash ist eine nichtolympische Sportart. Hat das konkrete Auswirkungen auf dein Athletinnen-Leben?
Definitiv. Ich denke, die Anerkennung für den Sport wäre deutlich größer, wenn er im Fernsehen übertragen werden würde. Dann würde die Bekanntheit steigen und natürlich auch die Fördermittel. Wir werden nicht aufgeben, uns dafür einzusetzen, dass Squash eine Olympische Sportart wird.

Gibt es eine Nation, in der Squash richtig groß ist?
Ägypten ist definitiv die größte Nation. Dort hat man vor mehreren Jahren mit guter Jugendarbeit angefangen – und heute sieht man die Früchte.

Was würdest du gern für deine Sportart bzw. für nicht-olympische Sportarten allgemein verändern?
Ich fände es schön, wenn unterschiedliche und unbekanntere Sportarten, wie zum Beispiel Squash, mehr Anerkennung in Deutschland bekommen würden.
Bei Squash gab es vor 30 Jahren mal einen Boom, seit mehreren Jahren aber einen starken Rückgang. Durch die Corona-Situation verschärft sich das natürlich und einige Anlagen müssen schließen.
Ich fände es schön, wenn wieder mehr Leute den Squashsport für sich entdecken würden, Freude daran hätten und sich regelmäßig zum Squashen verabreden würden.

In drei Worten: Was macht eine gute Athletenvertreterin in deinen Augen aus?
Pflichtbewusstsein
Vertrauenswürdigkeit
Leidenschaft

Julia Hollnagel

Referentin für Kommunikation und Marketing

j.hollnagel@athleten-deutschland.org

+49 152 59762540