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Mentale Gesundheit & Druck – ein Gespräch mit Pamela Dutkiewicz

„Athletes are humans first“ – das kann man nicht oft genug betonen. 2016 ging Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz in Rio an den Start. In diesem Juni musste sie den Traum von Tokio2020 abschreiben. Der Körper hat nicht mitgemacht, der mentale Druck war immens. Wir haben mit ihr über den Umgang mit Druck und die Relevanz von mentaler Gesundheit gesprochen.

Pamela, du befindest dich gerade in der Reha – körperlich und mental. Wie wichtig ist mentale Gesundheit?
Jeder definiert mentale Gesundheit anders, aber ich würde sagen: Das ist die Voraussetzung. Man braucht ein stabiles mentales Fundament.

Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Für mich ist es total wichtig immer wieder in die Balance zu kommen. Jeder Sportler, der sich in diese Welt begibt, der kann mit Druck und herausfordernden Situationen umgehen. Der weiß, wie man die Arschbacken zusammenkneift und sich durch eine Phase quält. Aber es muss auch immer wieder ´Belohnungen geben und kleine Erfolgserlebnisse. Wenn nur noch Frust und Negativerlebnisse da sind, dann ist das gar nicht gut für einen selbst, für die Seele. Ich bin gerade in einer Phase, in der ich mich selbst in Balance bringe, indem ich Abstand gewinne.

Was ist für die Sportler*innen bei den Spielen besonders belastend?
Viele meinen: Jetzt wird es richtig anstrengend. Ich glaube aber: Der Weg dahin ist die große Last. Wenn man dort ist, ist die große Kunst, besonders, wenn man zum ersten Mal dabei ist, sich nicht überwältigen zu lassen. Als ich in Rio war habe ich die ersten Tage sehr wild geträumt. Es ist alles groß, es ist alles laut, du hörst ganz viele Sprachen. Es ist etwas besonderes. Das liegt in der Luft. Das muss man verarbeiten. Die große Kunst ist, sich vor Ort nicht verrückt zu machen.

Was bedeutet es, wenn man den Spaß am Sport verliert?
Wenn der Frust, die negativen Erlebnisse, die Niederlagen über so eine lange Zeit überwiegen und man gar keine kleineren Erfolgserlebnisse feiern kann, dann geht die Leichtigkeit verloren – und damit auch der Spaß. Dann wird es Arbeit. Ich glaube viele Sportler, wahrscheinlich der Großteil der Sportler, macht das vor allem aus Spaß. Und wenn der verloren geht, dann wird es anstrengend. Das spiegelt sich in der Leistung wider. Den Spaß und die Liebe wiederzufinden, dass ist dann ganz, ganz wichtig.

Was kann man machen, wenn der Druck zu viel wird?
Das was viele Sportler machen, auch ich und jetzt auch Simone Biles: Einen Schritt zurücktreten. Erstmal für sich selbst reflektieren, erstmal wieder in die Balance kommen. Da hat jeder seine Methoden. Unter anderem können da Profis helfen. Wir Spitzensportler haben immer einen Draht zu Sportpsychologen. Es gibt da ganz viele Methoden. Es hilft dann in der Ruhe Revue passieren zu lassen: Warum ist der Druck so groß geworden und was kann ich in Zukunft besser machen?