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Bericht zur 4. Mitgliederversammlung: Abschied und Neuanfang

Berlin, 17. November 2021. Am 30.10.2021 fand die 4. Mitgliederversammlung von Athleten Deutschland statt. Im Mittelpunkt standen die Wahl eines neuen Präsidiums und die Verabschiedung der bisherigen Amtsinhaber*innen. Die Mitglieder entschieden sich für Karla Borger (Präsidentin), Tobias Preuß (Vizepräsident), Fabienne Königstein, Mareike Miller und Lukas Kohl als neue Führung des Vereins. Dajana Eitberger und Léa Krüger wurden kooptiert.  

Die Veranstaltung begann mit einem Grußwort von Beate Lohmann, Leiterin der Abteilung Sport des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat. „In diesem Jahr feiern wir Ihr vierjähriges Bestehen und was Sie in den vergangenen Jahren geschafft haben, finde ich wirklich sehr beeindruckend“, betonte sie und unterstrich: „Man kann feststellen: An Athleten Deutschland kommt Sportdeutschland heute nicht mehr vorbei.“ Besonders stellte sie den Einsatz des Vereins zum Thema Gewalt und Missbrauch im Sport heraus.  

Rückblick auf 2021
Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, berichtete von einem bewegten Jahr für den Verein. Die Olympischen und Paralympischen Spiele seien der Fixpunkt für die Mitglieder und Athleten Deutschland gewesen. Trotz der Schwierigkeiten bei der Anbahnung hätten die Spiele wieder gezeigt, wozu Spitzensportler*innen in der Lage seien: Menschen zu bewegen. Das sei eine rare Fähigkeit und habe weit mehr als bloß ideellen Wert, betonte Herber. Belege dafür finde man in den Finanzberichten des IOC, die den wirtschaftlichen Wert sportlicher Höchstleistungen abbildeten. 

In einem Video berichteten 20 Sportler*innen vom Einsatz des Vereins im vergangenen Jahr. Gesondert ging Herber auf Hockeyspielerin Nike Lorenz ein, die sich die Erlaubnis erkämpft hatte, mit der Regenbogenbinde bei den Olympischen Spielen aufzulaufen – als erste Sportlerin überhaupt. Er lobte auch das Engagement von Para-Kanutin Edina Müller, die trotz aller Widerstände auf Seiten der Organisatoren, ihren Sohn zu den Paralympics mitgenommen hatte. Edina habe ein starkes Zeichen dafür gesetzt, dass Mutterschaft und Spitzenleistungen vereinbar seien.  

Herber stellte außerdem das Engagement von Turnerin und Athletensprecherin Kim Bui heraus, die im Februar im Sportausschuss des Bundestags zu den Vorkommnissen am Chemnitzer Olympiastützpunkt berichtet hatte. Sie habe eindringlich die starken Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Athlet*innen und Trainer*innen aufgezeigt. Kim Buis Einsatz zeige, so Herber, wie wichtig Athletenvertreter*innen in den Verbänden sind – als Botschafter*innen, Stimmungsseismografen und Berichterstatter*innen.  

Der Auftritt von Kim Bui im Sportausschuss war ein weiteres Puzzleteil für das wichtigste Thema von Athleten Deutschland in 2021: Der Einsatz für einen gewaltfreien Sport und damit verbunden der Impuls für ein unabhängiges Zentrum für Safe Sport. Nach dem Hearing der unabhängigen Aufarbeitungskommission zu sexuellem Kindesmissbrauch im Oktober 2020 habe man sich dem Thema intensiv verschrieben, berichtete Herber. Man habe recherchiert und den Austausch mit Betroffenen, Fachberatungsstellen, Verbänden und der Wissenschaft gesucht. Als Ergebnis habe sich herauskristallisiert, dass Betroffene teilweise nicht die Unterstützung bekämen, die sie benötigen, Meldungen würden versanden, Verbände seien teils überfordert und Präventionskonzepte würden nur halbherzig umgesetzt. Aufarbeitung fände selten statt, Zuständigkeiten seien unklar, Ermittlungskapazitäten limitiert, Sanktionen würden selten ausgesprochen oder nicht befolgt. Das Zentrum für Safe Sport solle einen entscheidenden Beitrag leisten, diese Missstände in den Bereichen Prävention, Intervention und Aufarbeitung zu beheben. Man sei dankbar, so Herber, dass das BMI den Impuls aufgenommen habe und eine Machbarkeitsstudie durchführe. 

In Zusammenhang mit dem Engagement für ein unabhängiges Zentrum für Safe Sport, berichtete Herber, seien vermehrt Betroffene an Athleten Deutschland herangetreten. Um diese Fälle angemessen betreuen zu können, plane der Verein eine Anlaufstelle aufzubauen, die psychosoziale und rechtliche Hilfe vermitteln könne.    

Herber betonte zudem die positive Entwicklung des Vereins: 44 Mitglieder hätten sich aktiv in Projekten und Arbeitsgruppen eingebracht, die Mitgliederzahl sei von 970 im vergangenen Jahr auf 1400 gestiegen.  

Beschlüsse
Im Anschluss an Herbers Jahresrückblick entlastete die Mitgliederversammlung das Präsidium und den Geschäftsführer, verabschiedete den Finanzbericht 2020 und bestätigte den Haushaltsplanentwurf für 2022. Im weiteren Verlauf verabschiedete sie eine Beitragsordnung. Damit zahlen ordentliche passive Mitglieder, also jene Athlet*innen, die länger als drei Jahre aus dem Bundeskader ausgeschieden sind, ab 2022 einen Jahresbeitrag. Passive Mitglieder, die keinen Beitrag zahlen wollen, scheiden satzungsgemäß aus dem Verein aus. Die Ordnung legt außerdem Beiträge für Fördermitglieder fest.  

Abschied
„Ihr geht neue Wege, aber Athleten Deutschland bleibt“, kommentierte die ehemalige Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, den emotionalen Abschied des Gründungspräsidiums in einem Video. Nach vier Jahren Amtszeit standen Max Hartung, Manuela Schmermund, Amélie Ebert, Elena Gilles, Moritz Geisreiter, Jonathan Koch und Marc Zwiebler nicht mehr zur Wahl. Die Mitgliederversammlung blickte gemeinsam zurück auf ihre Leistungen. Aus einer Initiative von 45 Kaderathlet*innen im Jahr 2017 sei eine „Institution“ geworden, „die aus dem sportpolitischen Diskurs nicht mehr wegzudenken ist“, betonte Dagmar Freitag.   

„Es hat irre Spaß gemacht und ich finde wir haben so viel miteinander geschafft“, begann Max Hartung seine anschließende Abschiedsrede. Vor allem das Vertrauen untereinander habe es ermöglicht, dass Athleten Deutschland entstehen und wachsen konnte. Er bedankte sich bei Wegbegleiter*innen und Wegbereiter*innen und den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle für ihr Herzblut und ihre Leidenschaft. 

Neuanfang
Als letzter Tagungsordnungspunkt stand die Wahl des neuen Präsidiums an. Auf Beschluss der Versammlung fungierte Anwalt und Legal Council Mitglied André Soldner als Wahlleiter.  

Im ersten Wahlgang wählten die Mitglieder Beachvolleyballerin Karla Borger mit einer einfachen Mehrheit zur neuen Präsidentin des Vereins. Tobias Preuß (ehemaliger Wasserballer) wurde kurz darauf zum Vizepräsidenten gewählt. In den weiteren Wahlgängen entschieden sich die Mitglieder für Fabienne Königstein (Marathon), Mareike Miller (Rollstuhlbasketball) und Lukas Kohl (Kunstrad) als Präsidiumsmitglieder. In einer ersten Sitzung nach der Versammlung kooptierte das Präsidium zudem Dajana Eitberger (Rennrodeln) und Léa Krüger (Säbelfechten).  

„Das Vertrauen ist groß, dass es mit Athleten Deutschland gut weitergeht“, gratulierte Max Hartung nach der Wahl seinen Nachfolger*innen. Als neue Präsidentin versprach Karla Borger „das Beste zu geben und die bisherigen Werte weiterzutragen“. Mit ihrer ersten offiziellen Amtshandlung schloss sie als neue Präsidentin die Versammlung.  

Auf einen Blick

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