Interview zum­ IPC Athletes´ ­Forum ­ mit Mareike Miller

Vom 22. bis 24. November kamen in diesem Jahr die Athletenvertreter*innen des paralympischen Sports in Colorado in den USA zusammen, um gemeinsam die wichtigsten Themen und Strategien für die nahe Zukunft zu besprechen. Mareike Miller war als Vertreterin der Athlet*innen des Deutschen Behindertensportverbandes vor Ort und hat uns im Nachhinein von der Veranstaltung berichtet.

 McKenna Geer, World Shooting Para Sport / USA; Mareike Miller; Nicole Nieves, World Para Volley / USA; Lisa Standeven World Taekwondo / Kanada (v.l.n.r.)

Mareike, schön, dass du dir die Zeit genommen hast, uns vom IPC Athletes‘ Forum zu berichten. Kannst du uns kurz erzählen, seit wann es das Forum gibt und wer dort genau ist Austausch miteinander tritt?

Das IPC Athletes` Forum 2019 war das zweite seiner Art. Seit 2017 gibt es jetzt die Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfinden soll. Das erste Forum fand in Duisburg statt und wir hatten Marc Schuh als deutschen Vertreter vor Ort. Zu der Veranstaltung werden alle Athletenvertreter*innen der nationalen Verbände und die Athletenvertreter*innen aus den jeweiligen Sportfachverbänden eingeladen. Da nicht in allen Verbänden die Athletenvertretung satzungsmäßig geregelt ist, hat das IPC Athlete Council, dass das Forum organisiert, nicht immer einen direkten Ansprechpartner für die Athletenvertretung. Ich bin zum Beispiel als Vertreterin für das Nationale Paralympische Kommittee (NPC) – DBS vor Ort. In meinem eigenen internationalen Sportfachverband beim Rollstuhlbasketball gibt es allerdings keine Regelung für Athletenvertretung. 

Wie lief die Veranstaltung ab?

Zuallererst war es wichtig, alle anderen Athletenvertreter*innen kennenzulernen und sich über den Stand der Athletenvertretung in den anderen NPCs auszutauschen. Da wir alle relativ unprofessionell und fast ausschließlich ehrenamtlich arbeiten, war es außerdem hilfreich, alle Informationen darüber zu bekommen, wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) funktioniert und wie die Verbindung zu den NPCs ist. 

Der Präsident des IPC, Andrew Parsons, und weitere Mitglieder des Vorstands waren auch vor Ort und haben viel Feedback von den Athletenvertreter*innen für die weitergehende Strategie eingesammelt. Ich hatte das Gefühl, dass sie sehr interessiert daran waren, unsere Stimme zu hören und dass es auch gewollt ist, dass sich die Athlet*innen aktiv in die Gestaltung einbringen. 

Zudem wurde ein Strategiepapier vorgestellt, dass 2017 beim ersten IPC Athletes‘ Forum durch die große Gruppe weltweiter Vertreter skizziert und im Laufe der letzten zwei Jahre ausgearbeitet wurde. Die Umsetzung dieser Strategie, die priorisiert wie das IPC Athletes‘ Council bestmöglich unterstützt und vertritt, das umfasst auch die Erstellung von Guidelines für Best Practices und Governance bei Athletenvertretungen, steht nun an. 

Konnten die Athletenvertreter*innen im Vorfeld auch Themen für die Veranstaltung setzen?

Die Themen waren gesetzt, wurden aber im Vorfeld durch einen Fragebogen abgeklopft. Meiner Meinung nach ist es auch schwierig, in solchem Rahmen einzelne Fälle zu behandeln, dafür gibt es zu viele und meist sind sie auch nicht für alle relevant. Deshalb finde ich es gut, dass wenn man für kurze Zeit so viele Athletenvertreter*innen zusammen bekommt, es eher darum ging den Athletenvertreter*innen das Handwerkszeug zu geben, sich selbst zu befähigen und gemeinsam Handlungsleitfäden für bestimmte Situationen zu erarbeiten. Zudem hat die Veranstaltung uns dennoch aus den verschiedenen einzelnen Situation die Möglichkeit gegeben Feedback und Diskussionsthemen oder Änderungswünsche einzubringen.

Mareike Miller mit Jeongmin Lee, Asia Paralympic Committee /Südkorea; Hong Sukman, IPC Athletes’ Council / Südkorea; Moises Fuentes Garcia, Colombia Paralympic Committee / Colombia (v.l.n.r.)

Wurde denn konkret etwas beschlossen?

Nein. Das Forum sollte dazu dienen, für das IPC Athletes‘ Council und IPC Vertreter die Meinungen der Athlet*innen zu sammeln und sie in die strategische Ausrichtung und anstehende Veränderungen des IPC einfließen zu lassen. 

Wie bleibt das Netzwerk im weiteren Austausch?

Es finden jetzt schon monatliche Telefonkonferenzen statt, bei denen sich die Athletenvertreter*innen austauschen. 

Wie bewertest du die Arbeit des Athletes‘ Council?

Ich glaube sie machen einen guten Job. Der Austausch könnte immer mehr sein, aber auch das Council besteht ja aus ehrenamtlichen Mitgliedern, deren Zeit begrenzt ist. Das Problem, wie ich schon angesprochen hatte, ist eher, dass es in manchen Verbänden keine gewählten Athletenvertreter*innen und somit keine gewählten Ansprechpartner von Athletenseite für das Athletes‘ Council gibt. Grundsätzlich glaube ich, dass man die Eigenheiten der einzelnen Sportarten immer im Blick haben sollte, auch wenn es um grundsätzliche Entscheidungen geht. 

Ich hatte den Eindruck, dass die Verantwortlichen des IPC sehr athletenbezogen denken und die Stimme der Athlet*innen gehört wird. Das Athletes‘ Council ist in einer guten Position im Moment. Es wird auch überlegt, ob die Athlet*innen eine zweite Stimme im Aufsichtsrat des IPC bekommen. Dort haben sie im Moment eine Stimme bei 13 Mitgliedern.

Andrew Parsons (IPC Präsident) mit Mareike Miller

Was würdest du abschließend über das Athletes‘ Forum sagen?

Das war eine tolle und rundum gelungene Veranstaltung. Ich habe das Gefühl, dass unsere Stimme dort gehört wird und das IPC unseren Input sehr schätzt. Ob und wie alle unsere Vorstellungen umgesetzt werden, ist für mich aus der Ferne nicht eindeutig erkennbar. Aber ich glaube das Athletes‘ Council ist in einer guten Position, unsere Meinung zu vertreten. Grundsätzlich denke ich, dass wir eine gemeinsame Plattform haben, auf der man mit guter Argumentation und guten Themen zum Nutzen aller inhaltlich Einfluss nehmen kann und wir auf der Entscheidungsebene mindestens mitreden können.

Link zur offiziellen Seite des IPC Athletes´ Forum

Link zur IPC Athletes Council

Bild: © Cady Lowery USOPC
Sascha Leutloff
Referent
s.leutloff@athleten-deutschland.org