Die Initiative Athletinnen D startete im Oktober 2020. Wir wollten wissen, welche Bedürfnisse deutsche Spitzensportlerinnen haben, welche besonderen Herausforderungen ihnen bei der Ausübung ihres Sports begegnen und welche Veränderungen sie sich wünschen.

Gleiche Verwirklichungschancen für Athletinnen

Zur Beantwortung dieser Fragen führten wir im November 2020 qualitative Interviews und Fokusgruppen mit 26 Athletinnen aus 21 verschiedenen Sportarten sowie mit drei Expertinnen durch. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Mehrheit der Befragten unterschiedlichste Formen von Diskriminierung von Spitzensportlerinnen auf zahlreichen Ebenen sehen und die Dringlichkeit von entsprechendem Handlungsbedarf hoch ist.

Die Ergebnisse legen nahe, dass der deutsche Sport von einer Gleichstellung, definiert als gleiche Verwirklichungschancen für Frauen und Männer, noch weit entfernt ist.

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Wir interessieren uns für deine Erfahrungen als Frau im Leistungssport. Wenn du dich mit uns für mehr Gleichberechtigung einsetzen willst, dann nimm gleich Kontakt zu uns auf!

Unsere Gleichstellungsziele

Sexualisierte Gewalt

Athletinnen sind signifikant häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen als ihre männlichen Pendants. Das belegen u.a. die Ergebnisse der Safe Sport Studie, in deren Rahmen 48% der weiblichen Befragten angaben, Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht zu haben – gegenüber 23% bei den männlichen Befragten. Fast die Hälfte der von uns befragten Sportlerinnen berichteten von einmaligen oder sogar mehrmaligen Fällen selbst erfahrener oder beobachteter sexueller Belästigungen und Übergriffe, hauptsächlich durch männliche Trainer. Die Athletinnen beschrieben ein Ausgeliefertsein, bzw. eine Abhängigkeit von den Kompetenzen sexuell übergriffiger Trainer, sodass Übergriffe länger “ausgehalten” oder geduldet werden. Auch Erfahrungen von sexistischen Sprüchen sind für die Mehrheit der Befragten an der Tagesordnung, sowohl durch Trainer als auch durch Fans, männliche Kollegen oder männliche Funktionäre. Es mangele an unabhängigen Anlaufstellen, um sexuelle Übergriffe oder sexistische Vorfälle zu melden. Anzeigen blieben folgenlos oder hätten sogar negative Auswirkungen auf die Betroffenen.

Im Bereich „Safe Sport“ wird sich Athleten Deutschland dafür einsetzen, dass

  • zeitnah eine unabhängige Anlaufstelle für Betroffene von Gewalt und Missbrauch im Spitzensport geschaffen wird;
  • ein Unabhängiges Zentrum für Safe Sport geschaffen wird;
  • eine Nationale Strategie gegen Gewalt und Missbrauch im Sport erarbeitet und umgesetzt wird.

Medienberichterstattung und Vermarktung

Die Genderlücke in der medialen Berichterstattung erachten wir als Kernursache der Ungleichstellung im Spitzensport. Geringe Medienpräsenz wirkt sich nachteilig auf die Vermarktbarkeit und das Sponsoreninteresse aus. Verbände und Vereine verfügen damit über wenig bis keine Anreize, stärker in die Vermarktung der Wettbewerbe der Frauen zu investieren. Den Sportlerinnen werden somit Sichtbarkeit und damit verbunden Einkommensmöglichkeiten verwehrt. Mangelnde Sichtbarkeit bedeutet auch, dass Sportlerinnen seltener als Vorbilder wahrgenommen werden.

Im Bereich „Medienpräsenz und geschlechtergerechte Darstellung“ wird sich Athleten Deutschland dafür einsetzen, dass

  • der Anteil des Frauensports in der Medienberichterstattung signifikant erhöht wird;
  • Frauensport ebenso wirkungsvoll inszeniert wird wie Männersport;
  • in der medialen Darstellung die sportliche Leistung gewürdigt wird und Genderstereotype vermieden werden.

Geschlechtsspezifisches Training

Die Hälfte der Athletinnen gaben bei einer Umfrage des SWR an, dass ihre Leistung durch ihre Periode beeinträchtigt wird. Jedoch fühlen sich nur 27% der Athletinnen wohl dabei, ihre Periode mit Trainern zu besprechen. Diese Beobachtungen stimmen auch mit unseren Ergebnissen überein. Einige Athletinnen wünschen sich ein höheres Bewusstsein bei Trainerstäben und Sportlerinnen für den Menstruationszyklus sowie die individuelle Gestaltung von Trainingsplänen. Zyklusbasiertes Training hat das Potential, die Gesundheit, das Wohlbefinden und die sportliche Leistung von Leistungssportlerinnen zu verbessern. Allerdings ist dies nur möglich, wenn der Zyklus der Frau kein Tabuthema mehr ist.

Im Bereich „geschlechtsspezifisches Training und (sport-)medizinische Betreuung“ wird sich Athleten Deutschland dafür einsetzen, dass

  • Module zu geschlechtsspezifischem Training in die Curricula der Trainer*innenausbildungen aufgenommen werden;
  • die sportmedizinische Betreuung, Beratung und Grunduntersuchung auf die Bedürfnisse von Sportlerinnen angepasst und ausgebaut werden;
  • Forschungsprojekte gefördert werden, die sich explizit mit Athletinnen befassen.

Familienplanung im Leistungssport

Für Frauen ist der Druck, nach der Schwangerschaft wieder zu alten Leistungen und damit in den Kader zurück zu kommen, sehr hoch. Gerade bei Sportarten, in denen Gewichtsklassen vorhanden sind oder bei denen die körperliche Leistung ab einem gewissen Alter stark abnimmt, steigt die Herausforderung. Die Willkommenskultur fehlt.

Im Bereich „Vereinbarkeit von Familienplanung und Spitzensport“ werden wir uns dafür einsetzen, dass

  • eine bundesweite Kompetenzstelle zur trainingswissenschaftlichen Begleitung, Belastungssteuerung und sport-gynäkologischen Beratung geschaffen wird;
  • transparente und verbindliche Regeln zum Verbleib im Bundeskader eingeführt werden;
  • Schutzklauseln in Sponsorenverträge aufgenommen werden;
  • kindgerechte Rahmenbedingungen und Unterstützungsleistungen eingeführt werden, die die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Spitzensport gewährleisten.

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Julia Hollnagel

Referentin für Kommunikation und Marketing

j.hollnagel@athleten-deutschland.org

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