Athletengruppen fordern weitreichenden Wandel der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA)

Berlin, 23.07.2020. Athleten Deutschland e.V. fordert in einem gemeinsamen Papier (s. Anhang mit Übersetzung) mit AthletesCAN, der Athletenkommission des Dänischen Olympischen Komitees, Global Athlete, dem Athletenbeirat des US-amerikanischen olympischen und paralympischen Komitees (USOPC AAC) sowie der Athletics Association umfangreiche Reformen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). 

Die WADA muss unabhängig, transparent und rechenschaftspflichtig werden. Menschenrechte müssen beachtet und umgesetzt werden. Es muss echte Gewaltenteilung und eine faire Rechtsordnung geben. Athlet*innen müssen gleichberechtigt mitentscheiden können. 

Herr Witold Bańka, Präsident der WADA, signalisierte in einem Schreiben vom 22. Juli, ein virtuelles Meeting im September in größerer Runde mit Athlet*innen abhalten zu wollen. 

Maximilian Klein, Beauftragter für Internationale Sportpolitik: „Wir freuen uns über die Gelegenheit, an diesem Gespräch teilzunehmen und die Vorschläge der Gruppe zu diskutieren. Gleichzeitig erhoffen wir uns, dass sich die deutsche Politik, der DOSB und die NADA weiterhin und gemeinsam an unserer Seite für weitreichende Reformen der WADA und des weltweiten Anti-Doping-Systems einsetzen.“ 

Die Mindestanforderungen in der Zusammenfassung: 

Unabhängigkeit 

  • Die Finanzierung der WADA muss von Entscheidungsgewalt entkoppelt werden. 
  • Die WADA muss eine unabhängigere Governance-Struktur schaffen – frei von Interessenskonflikten. 
  • Die Mitglieder des WADA-Exekutivkomitees müssen auf Grundlage ihrer Fähigkeiten berufen werden und müssen vollständig unabhängig sein. 
  • Es muss eine gleichberechtigte, unabhängige und aktive Vertretung von Athlet*innen innerhalb des Exekutivkomitees geben. 

Transparenz 

  • WADA-Untersuchungen müssen veröffentlichungspflichtig sein.  
  • Entscheidungen über die Einhaltung des Welt-Anti-Doping-Codes müssen vom WADA-Foundation Board und nicht vom WADA-Exekutivkomitee getroffen werden.  

Rechenschaftspflicht 

  • Die WADA sollte weder vom Sportsystem noch von einzelnen Regierungen reguliert werden, sie muss gegenüber den Athlet*innen zur Rechenschaft verpflichtet sein.  
  • Athlet*innen müssen unabhängige und gleichberechtigte Sitze überall dort haben, wo Entscheidungen getroffen werden. 
  • Athlet*innen müssen die gleiche Anzahl an Sitzen haben wie das IOC und die Regierungen. 

Menschenrechte 

  • Die WADA muss unter unabhängiger Einbindung von Athlet*innen eine umfangreiche Menschenrechtsprüfung des Welt-Anti-Doping-Codes und eine entsprechende Folgenabschätzung durchführen. 
  • Zumindest muss der Athlete Rights Anti-Doping-Act, einschließlich der „empfohlenen Rechte“ in den Code aufgenommen und für alle Unterzeichner des Codes verpflichtend und rechtlich bindend gemacht werden. 

Gewaltenteilung 

  • Es muss eine echte Gewaltenteilung zwischen den legislativen, exekutiven und judikativen Funktionen der WADA und des Anti-Doping-Systems umgesetzt werden, um eine effektive und faire Rechtsordnung zu schaffen. 

Im Folgenden finden Sie das gesamte Papier der Athleten Gruppen:

Pressemitteilung_AthletenGruppen_fordern_WADA_Reform-1

Maximilian Klein
Beauftragter für­ Internationale­ Sportpolitik und ­Organizing
m.klein@athleten-deutschland.org