Paralympische Athlet*innen fordern mindestens 200 Förderplätze ab 2027

Wenige Tage vor Beginn der Paralympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026 fordern 200 deutsche Para-Athletinnen und -Athleten gemeinsam mit Athleten Deutschland eine strukturelle Verbesserung der direkten Para-Athletenförderung im Bundeshaushalt 2027. In einer veröffentlichten Gemeinsamen Erklärung wenden sich die Para-Athletinnen und -Athleten an das Bundeskanzleramt und die Mitglieder des Deutschen Bundestages. Die zentrale Forderung: Eine zweckgebundene Erhöhung der Bundesmittel für die direkte Para-Athletenförderung im Bundeshaushalt 2027 mit dem Ziel, mindestens 200 Förderplätze zu finanzieren und mehrjährig abzusichern. „Wer paralympische Athletinnen und Athleten fördert, investiert nicht nur in Medaillen, sondern in Inklusion, Sichtbarkeit und Chancengerechtigkeit. Jetzt ist der Moment zu handeln”, sagt Elena Semechin, zweifache Paralympics-Siegerin im Schwimmen und Präsidiumsmitglied der unabhängigen Athletenvertretung.
Förderung bildet Leistung nicht ab
Der paralympische Spitzensport steht seit Jahrzehnten für internationale Erfolge und gelebte Inklusion. Im vergangenen paralympischen Zyklus gewann Deutschland über 60 Medaillen bei Sommer- und Winterspielen. Seit 1992 kommen deutsche Para-Athletinnen und -Athleten auf mehr als 970 Paralympics-Medaillen. Die individuelle Förderung bildet diese Leistungsrealität jedoch nicht ab: Aktuell sind 168 Förderplätze für Para-Athletinnen und -Athleten vorgesehen. Tatsächlich nehmen im Schnitt rund 200 deutsche Sportlerinnen und Sportler an Paralympischen Sommer- und Winterspielen teil. Damit bleibt ein Teil von ihnen ohne direkte Förderung, trotz internationaler Wettbewerbsfähigkeit. „Wir arbeiten hart und haben Bock auf Leistung. Aber dafür brauchen wir Förderung, die uns pusht und mit uns wächst. Dann können wir wirklich zeigen, was alles in uns steckt”, sagt Marco Maier, der bei den am Freitag beginnenden Winterspielen im Para Ski nordisch für Deutschland an den Start geht.
Kleine Summe, große Wirkung
Für rund 30 zusätzliche Förderplätze bei der Sporthilfe wären jährlich rund 400.000 Euro notwendig. Gemessen an den Gesamtausgaben des Bundes für den Spitzensport entspricht das weniger als 0,2 Prozent. „Als Para-Sportlerinnen und -Sportler stehen wir für Leistung, Erfolg und eine vielfältige, starke Gesellschaft. Wir erwarten keine Unsummen oder Sonderbehandlung, aber wir wollen, dass unsere Leistung zählt und wertgeschätzt wird”, sagt Mareike Miller, vierfache Paralympics-Teilnehmerin im Rollstuhlbasketball, Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland und Gesamtaktivensprecherin des Deutschen Behindertenverbands (DBS).
Während sich die Athletinnen und Athleten in Mailand und Cortina auf sportliche Höchstleistungen vorbereiten, werden in Berlin bereits die ersten Weichen für den Bundeshaushalt 2027 gestellt. Die anstehenden Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 bieten die Gelegenheit, die Förderung des paralympischen Spitzensports den gestiegenen Bedarfen anzupassen. Athleten Deutschland begleitet die Gemeinsame Erklärung mit einer Social Media-Kampagne, in der Para-Athletinnen und -Athleten ihre Perspektiven auf faire und leistungsorientierte Förderbedingungen sichtbar machen.

