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Gleichstellung im Spitzensport: Pia Greiten & Dr. Schenderlein zu Gast bei „Blut, Schweiß und Training“

In einer Sonderfolge sprechen die Präsidentin von Athleten Deutschland und die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt über Chancengleichheit, Mutterschutz und das geplante Sportfördergesetzes.
3 Min
2026-03-17

Wo steht der deutsche Spitzensport beim Thema Gleichstellung? Dieser Frage widmen sich Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, und Ruderin Pia Greiten, Präsidentin von Athleten Deutschland, in einer Sonderfolge des Podcasts „Blut, Schweiß und Training – der Podcast für Sport und Zyklus“. Im Gespräch geht es um Fortschritte und Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit – von Forschungslücken über Mutterschutzregelungen bis zum Sportfördergesetz. „Die Sichtbarkeit von Frauensport wächst. Athletinnen haben eine wichtige Vorbildfunktion für Jugendliche und Mädchen. Aber es gibt noch immer zu viele Ungleichheiten, zu viele Gaps, die wir beseitigen wollen“, sagt Dr. Christiane Schenderlein. „Medienpräsenz, Berichterstattung und Vermarktung haben großen Einfluss darauf, wie wir wahrgenommen werden und welche Sponsorengelder fließen. Auch wenn noch Luft nach oben ist: Die Aufmerksamkeit für solche Themen nimmt zu“, bekräftigt Pia Greiten. 

 

Viel Potenzial: Nachholbedarf in Forschung und Trainingslehre 

 

Sowohl Staatsministerin als auch Athletin sehen allerdings weiterhin ein Ungleichgewicht im Sportsystem. Insbesondere beim sogenannten Gender Data Gap – also der unzureichenden Datenlage zu sportwissenschaftlichen Fragen rund um Frauen im Spitzensport – besteht Handlungsbedarf. „Wir müssen Forschung und Wissenstransfer in diesem Bereich deutlich stärker voranbringen. Auch beim Mutterschutz stehen wir trotz guter Initiativen noch vor großen Aufgaben. Hier sind andere Länder bereits weiter“, sagt Schenderlein. Diesen Eindruck bestätigt Greiten aus der Perspektive der Athletinnen: „Viele Athletinnen sind unsicher, ob sich Karriere und Familie vereinbaren lassen. Ein gesicherter Kaderstatus und die damit verbundene Basisförderung bis zwölf Monate nach der Geburt wären ein wichtiger Meilenstein.“

 

 Safe Sport: Unabhängige Aufarbeitung und klare Strukturen 

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist das Thema Safe Sport und das geplante Zentrum für Safe Sport. Für Staatsministerin Schenderlein ist dies ein zentrales Anliegen. „Wir benötigen eine Kultur des Hinsehens und eine von den Verbänden unabhängige Stelle, die Fälle von interpersonaler Gewalt im Sport – ob sexualisierte, psychische oder physische Gewalt – aufarbeitet“, betont sie. Das geplante Zentrum solle über eine unabhängige Schiedsstelle auch Sanktionsmöglichkeiten besitzen. 

 

Sportfördergesetz: Chance für Verbesserungen 

 

Im Gespräch blicken Greiten und Schenderlein außerdem auf die geplante Spitzensportreform und eben jenes Sportfördergesetz, zu dem derzeit ein Referentenentwurf vorliegt. „Wir werden die Förderung anders strukturieren, in dem wir sie in die Hände von Experten legen. Dafür nehmen wir uns als Politik, aber auch der DOSB ein Stück zurück“, so Schenderlein. „Das Gesetz besitzt das Potenzial für Verbesserungen im Spitzensport – vorausgesetzt, die zentrale Frage steht im Mittelpunkt: Was brauchen Athletinnen und Athleten, um Weltklasseleistungen zu erbringen?“, sagt Greiten. Dazu gehöre aus Sicht der Athletenvertretung auch eine stärkere Beteiligung der Sportlerinnen und Sportler an Entscheidungen. „Von uns werden Top-Leistungen erwartet – dafür brauchen wir optimale Rahmenbedingungen. Es ist nur logisch, dass wir bei Entscheidungen, die unsere Zukunft betreffen, mitreden wollen.“ Die Podcastfolge mit Pia Greiten und Dr. Christiane Schenderlein ist ab sofort auf den gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. 

 

Über den Podcast: „Blut, Schweiß und Training – der Podcast für Sport und Zyklus“ ist eine Kooperation von Athleten Deutschland, dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) und dem NDR. Der Podcast beleuchtet Themen rund um frauenspezifische Gesundheit, gesellschaftliche Herausforderungen und sportpolitische Fragen im Spitzensport. Moderatorin Sandra Maahn und Reporter Martin Seidemann unterstützen das Projekt ehrenamtlich. Die erste Staffel erschien 2024. In der aktuellen dritten Staffel sind unter anderem weitere Persönlichkeiten aus Sport, Wissenschaft und Politik zu Gast. Alle Folgen des Podcasts sind online verfügbar. Fragen oder Themenanregungen beantworten Athleten Deutschland und die IAT-Wissenschaftlerinnen gern unter podcast@athleten-deutschland.org. Weitere Hintergründe bietet das IAT unter dem Schwerpunkt „Frau im Leistungssport“.