DESG-Präsidium muss zurücktreten - Mut zur offenen Kritik verdient Schutz und Respekt

Update 8. Juli:
Athleten Deutschland dankt dem Thüringer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport und Ehrenamt, Stefan Gruhner, dem Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV) und allen weiteren am gestrigen Vermittlungsgespräch Beteiligten, die sich für eine konstruktive Lösung im Konflikt zwischen der Deutschen Eisschnelllauf und Shorttrack Gemeinschaft (DESG) und den Athletinnen und Athleten eingesetzt haben. Das vereinbarte Moratorium bedeutet aus Sicht von Athleten Deutschland allerdings keine Lösung, sondern allenfalls ein Aufschub der bestehenden Probleme. „Das Moratorium befreit die Athletinnen und Athleten aus der aktuellen Drucksituation, schafft aber weder Planungssicherheit noch behebt es den grundlegenden Konflikt“, sagt Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland.
Athleten Deutschland begrüßt die Aussage, dass die weiteren Strukturgespräche im engen Dialog und partnerschaftlich begleitet werden sollen. Diese Begleitung sollte durch eine unabhängige Task Force unter Federführung des Bundeskanzleramts und Einbindung des DOSB erfolgen, die alle relevanten Fristen und Begründungen den Athletinnen und Athleten offenlegt und ihnen die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumt. Ferner benötigen die Athletinnen und Athleten die Gewissheit, dass die DESG-Athletenvereinbarungen künftig nicht erneut als Druckmittel einsetzt und ihnen bei einer Nichtunterzeichnung der Ausschluss aus dem Kader droht.
Die Zeit bis zur Entscheidung über die zukünftige Stützpunktstruktur muss genutzt werden, um die in der Athletenvereinbarung verbliebenen strittigen Punkte im beidseitigen Einvernehmen zu klären. Der Aushandlungsprozess sollte ebenfalls eng durch die Task Force begleitet werden.
Unabhängig davon, ist das Vertrauen zwischen Athletinnen und Athleten und der Verbandsführung in den vergangenen Monaten erheblich beschädigt worden. Es wird nicht dadurch zurückgewonnen, dass strittige Regelungen vorübergehend ausgesetzt werden, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen und nachvollziehbare Entscheidungen. Athleten Deutschland hält deshalb an der Einschätzung fest, dass die DESG einen Führungswechsel benötigt.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erneuert Athleten Deutschland die Forderung nach der Einrichtung einer externen Clearingstelle, wie sie bereits im Feinkonzept der Spitzensportreform von Bund, Ländern und DOSB beschlossen wurde. „Der Konflikt hat abermals deutlich vor Augen geführt, dass Athletinnen und Athleten in diesem System keine Chance auf eine faire Klärung von Streitigkeiten haben. Ohne das entschlossene Vorgehen von Minister Gruhner würden sie weiterhin komplett im Regen stehen. DOSB, Bund und Länder müssen jetzt zu ihren Bekenntnissen stehen und die Clearingstelle in die Umsetzung bringen,“ sagt Johannes Herber.
Athleten Deutschland bekräftigt seine Unterstützung für die Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer, die in einem Beitrag der ARD auf Missstände in der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) aufmerksam gemacht haben. „Dass sich so viele Athleten auf diesem Wege äußern, zeigt, wie stark das Verhältnis zu ihrem Verband belastet ist. Ihr Mut, die bestehenden Missstände anzusprechen, verdient Respekt und Rückhalt“, sagt Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland.
DESG-Präsidium muss zurücktreten
Athleten Deutschland fordert das Präsidium der DESG auf, geschlossen zurückzutreten und den Weg für einen Neubeginn freizumachen. Sollte das Präsidium diesen Schritt nicht gehen, sind die Landesverbände in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und diese Führung zum Wohle des deutschen Eisschnelllaufs abzuwählen. „Gleichzeitig müssen Bundeskanzleramt und DOSB jeden zur Verfügung stehenden Hebel nutzen, um endlich einzugreifen. Dass ein aus öffentlichen Mitteln geförderter Verband vor aller Augen Bundeskaderathletinnen und -athleten dermaßen schikaniert und durch sein Verhalten Spitzenleistungen verhindert, läuft allen Zielen und Werten der Spitzensportförderung entgegen.“
Athleten enttäuscht von Politik und DOSB
Felix Maly, Olympiasiebter in diesem Jahr, fühlt sich allein gelassen. „Ich bin enttäuscht von der Politik und dem DOSB. Das, was gerade passiert, ist für uns die harte Realität. Wir haben das Gefühl, dass sich hinter der Autonomie der Fachverbände versteckt wird. Nur Lippenbekenntnisse helfen uns nicht weiter, wir brauchen Veränderungen und vor allem Verbesserungen für die Athletinnen und Athleten", sagt Eisschnellläufer in dem ARD-Beitrag.
Ein weiteres Ultimatum seitens des Verbands
Am Montag hatte die DESG die von den Eisschnellläuferinnen und -läufern unterzeichnete Athletenvereinbarung mit dem Verweis auf die Unzulässigkeit eines von Athletenseite beigefügten Side Letters abgelehnt. Den Sportlerinnen und Sportlern wurde eine neue Frist zur Unterzeichnung der Athletenvereinbarung in ihrer ursprünglichen Fassung gesetzt. Eine Nicht-Unterzeichnung setzt die DESG mit dem Kaderausschluss gleich. „Wir sind maßlos enttäuscht und können das Verhalten der DESG nicht nachvollziehen. Der Verband setzt uns mit einem weiteren Ultimatum zur Unterzeichnung der Athletenvereinbarung erheblich unter Druck. Unser Entgegenkommen haben wir mehrfach klar zum Ausdruck gebracht", sagt Hendrik Dombek, Eisschnellläufer und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland.
Keine Sonderbehandlung – Dialog auf Augenhöhe
Die unabhängige Athletenvertretung erneuert durch die aktuellen Entwicklungen mit Nachdruck die Forderung, jede Verlagerung oder strukturelle Neuordnung von Trainingsstandorten belastbar zu begründen und mit den Sportlerinnen und Sportlern zu beraten. Dombek unterstreicht: „Der Standort Erfurt beweist seine Leistungsfähigkeit: 14 der 26 Bundeskaderathletinnen und -athleten trainieren hier – getragen von großem persönlichem Einsatz und entsprechenden sportlichen Erfolgen. Wir erwarten daher Entscheidungen, die sportfachlich nachvollziehbar sind. Dabei fordern wir keine Sonderbehandlung, aber einen Dialog auf Augenhöhe. Dafür stehen wir weiterhin bereit.“
Standards für gute Verbandsführung ins Sportfördergesetz
Die Vorgänge bei der DESG zeigen auf frappierende Weise, dass der Gesetzgeber beim Sportfördergesetz nachschärfen muss. Öffentliche Förderung muss künftig noch klarer an überprüfbare Anforderungen guter Verbandsführung, wirksame Athletenmitbestimmung und den Schutz vor Repressalien geknüpft werden. Wenn Athletinnen und Athleten in existenziellen Fragen wie Kaderstatus, Trainingsstandort, Förderung oder beruflicher Absicherung unter Druck geraten, braucht es verbindliche Schutzmechanismen und wirksame Konsequenzen. „Der Fall DESG macht deutlich, dass Good Governance im Spitzensport nicht nur proklamiert, sondern durchgesetzt werden muss“, so Herber. Der ehemalige Basketball-Profi hält fest: „Das Sportfördergesetz bietet die Chance, dafür verbindliche Leitplanken zu schaffen. Der DOSB darf hier kein Zuschauer mehr bleiben. Wir erwarten, dass er seiner Garantenrolle für einen integren und verantwortungsvollen Spitzensport gerecht wird und sich klar für verbindliche Good-Governance-Standards einsetzt.“
Athleten Deutschland wird die betroffenen Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer weiterhin unterstützen und darauf hinwirken, dass ihre Rechte gewahrt und ihre Anliegen ernst genommen werden.

