„Drohkulissen sind inakzeptabel“: Athleten Deutschland kritisiert Vorgehen der DESG

Athleten Deutschland steht an der Seite der Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer und kritisiert das Vorgehen der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) scharf. Nach Berichterstattung des MDR sollen Athletinnen und Athleten zu einem Wechsel nach Inzell oder Berlin gedrängt werden. Bis zum 26. Juni sollen sie eine neue Athletenvereinbarung unterschreiben, deren Unterzeichnung an den Verbleib im Bundeskader geknüpft ist. „Athletinnen und Athleten dürfen nicht mit dem Verlust ihres Kaderstatus, ihrer Förderung oder ihrer beruflichen Absicherung unter Druck gesetzt werden. Solche Drohkulissen sind inakzeptabel und missachten jegliche Prinzipien guter Verbandsführung“, sagt Hendrik Dombek, Eisschnellläufer und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland.
Keine Nachteile durch Entscheidung über Trainingsstandort
Athleten Deutschland fordert die DESG auf, die gesetzte Frist unverzüglich auszusetzen und den betroffenen Athletinnen und Athleten schriftlich zuzusichern, dass ihnen aus ihrer Entscheidung über den Trainingsstandort keine Nachteile entstehen. Außerdem sollte die DESG ein sportfachliches Konzept vorlegen, das die neue Standortsituation nachvollziehbar begründet. Entscheidungen über Standortstrukturen dürfen nicht gegen die Sportlerinnen und Sportler, sondern nur mit ihnen getroffen werden.
Zugleich sieht Athleten Deutschland den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und die zuständige Sportpolitik in der Pflicht. Der DOSB als Dachverband und der Bund als zentraler Fördermittelgeber dürfen nicht zusehen, wenn Athletinnen und Athleten in existenziellen Fragen unter Druck geraten. Sie müssen gegenüber der DESG auf die sofortige Beendigung dieser Vorgehensweise hinwirken und sicherstellen, dass die Betroffenen ohne Repressalien an einer fairen Klärung beteiligt werden. „Verbandsautonomie darf nicht bedeuten, dass Athletinnen und Athleten existenziell abhängig gemacht und bei berechtigtem Widerspruch unter Druck gesetzt werden. Der DOSB und die Politik müssen jetzt einschreiten“, sagt Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland.
Das Sportfördergesetz muss dringend nachgeschärft werden
Der aktuelle Vorgang macht außerdem deutlich, warum das Sportfördergesetz im parlamentarischen Verfahren dringend nachgeschärft werden muss. „Die Abgeordneten haben jetzt die Chance, Leitplanken für einen verantwortungsvollen Spitzensport zu setzen“, so Herber. „Die Spitzensport-Agentur kann nur dann wirksam steuern, wenn sie Good Governance verbindlich einfordern, überprüfen und bei Verstößen Konsequenzen ziehen kann. Genau dafür braucht es jetzt klare gesetzliche Grundlagen.“ Athleten Deutschland hat hierzu konkrete Änderungsvorschläge unterbreitet. Das Sportfördergesetz wird am Mittwoch (24.06.26) im Ausschuss für Sport und Ehrenamt diskutiert.

