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Startverbot für Petzold aufheben, Integrität besser schützen

Athleten Deutschland fordert die Aufhebung von Petzolds-Startverbot und verlangt eine unabhängige Untersuchung, verbindliche Good-Governance-Regeln und ein Clearing-System für faire Konfliktlösungen.
4 Min
2026-03-04
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Athleten Deutschland fordert die sofortige Aufhebung des Startverbots gegen Eisschnellläufer Fridtjof Petzold und seinen Verbleib im Bundeskader. Anlass sind die aktuellen Vorgänge im deutschen Eisschnelllauf, die weit über einen Einzelfall hinausweisen und grundlegende Defizite bei der Verbandsführung und der unabhängigen Klärung von Konflikten offenlegen. Fridtjof Petzold wurde suspendiert, ohne zuvor eine Anhörung zu erhalten, die ihm nach den einschlägigen Kaderkriterien zugestanden hätte. Zugleich entscheidet bei der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) ein Disziplinarbeirat über mögliche Sanktionen, in dem Personen vertreten sind, die maßgebliche Mitverantwortung für die von Petzold angesprochenen Probleme tragen. Unter diesen Bedingungen ist kein faires und unabhängiges Verfahren gewährleistet. „Athletinnen und Athleten müssen Kritik üben können, ohne dadurch ihre Kaderzugehörigkeit zu riskieren. Das Verhalten der DESG sendet das gegenteilige Signal - wer Probleme anspricht, wird eingeschüchtert und im Zweifel rausgeworfen“, sagt Geschäftsführer Johannes Herber. 

 

Solidarischer WM-Verzicht mit Verweis auf Petzolds Startverbot 

 

Am Dienstag hatte Eisschnellläufer Felix Maly mit Verweis auf das Startverbot für Petzold seinen Verzicht auf eine mögliche Nominierung für die anstehenden Weltmeisterschaften öffentlich gemacht. „Der solidarische WM-Verzicht von Felix Maly zeigt, was passiert, wenn das Verhalten eines Verbands und die Werte des Sports und der Athletinnen und Athleten derart auseinanderklaffen“, bekräftigt Herber. Hendrik Dombek, Olympiateilnehmer von Mailand, Athletenvertreter der DESG und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland, ergänzt: „Der Verband und seine Mitgliedsorganisationen sollten die gegenwärtige Situation als Chance für eine Veränderung der Kommunikationskultur und des Umgangs miteinander nutzen. Wir, Athletinnen und Athleten, sind bereit unseren Beitrag zu leisten. Dafür braucht es ein Zeichen der DESG-Führung, dass eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung erwünscht und möglich ist.“ 

 

Unabhängige Untersuchung unterstützt von Bundesregierung und DOSB 

 

Die Suspendierung Fridtjof Petzolds und weitere, zuvor in der ARD-Recherche enthüllten Vorwürfe stehen nicht isoliert. In den vergangenen Jahren haben sich wiederholt Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer an uns gewandt und auf Fehlentwicklungen in der DESG hingewiesen. „Wir fordern eine unabhängige Untersuchung, die Fehlverhalten und Verantwortung klar benennt. Nur so kann ein Rahmen geschaffen werden, der Athletinnen und Athleten schützt und Höchstleistungen ermöglicht,“ sagt Johannes Herber. „Ein solcher Rahmen muss Kernanliegen des Bundes als primärer Förderer und des DOSB als Dachverband sein. Wir erwarten von beiden, eine unabhängige Untersuchung zu initiieren und gegenüber der DESG durchzusetzen.“ 

 

Good Governance-Vorgaben als verbindliche Fördervoraussetzung 

 

Zugleich sieht Athleten Deutschland die Bundesregierung und den DOSB in der Verantwortung, aus den Vorgängen die richtigen Konsequenzen über die DESG hinaus zu ziehen. Aktuell bestehen im Fördersystem keine Hebel, um Defizite in der Verbandsführung systematisch zu erfassen und förderpolitisch zu adressieren. „Wer mehr Medaillen fordert, muss dafür sorgen, dass die Integrität des Sports und die Rechte der Athletinnen und Athleten gewahrt werden. Beide sind grundlegende Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit des Systems“, sagt Johannes Herber. Die geplante Spitzensportagentur muss deshalb in die Lage versetzt werden, Verbänden nicht nur leistungsbezogene, sondern auch integritätsbezogene Vorgaben zu machen. Die Grundlage für ein solches Mandat muss im Sportfördergesetz verankert werden. Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, den Referentenentwurf entsprechend zu schärfen und Good Governance-Vorgaben als verbindliche Fördervoraussetzung zu integrieren. 

 

Unabhängiges Clearing-System für Konfliktlösung 

 

Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir die Forderung nach einem unabhängigen Clearing-System, bei dem Konflikte und Beschwerden sachgerecht behandelt werden können. Die Notwendigkeit eines solchen Systems wurde im Feinkonzept der Reform von Bund, Ländern und DOSB eindeutig anerkannt. „Es ist immens wichtig für uns, dass Verfahren unabhängig und kompetent durchgeführt werden. Selbst der Vorsitzende der DOSB-Ethikkommission Thomas de Maizière hat kürzlich bestätigt, dass viele Verbände entweder keine entsprechenden Strukturen haben oder meldende Personen schlichtweg kein Vertrauen in sie besitzen. Die Verbandsautonomie darf künftig nicht mehr als Schutzschild für Fehlverhalten herhalten,“ sagt Hendrik Dombek. 

 

Hinweis: Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestages befasst sich am Mittwoch mit dem Sachverhalt. Athleten Deutschland hat eine Stellungnahme dazu eingereicht, die hier abrufbar ist.