Zentrum für Safe Sport: Positives Signal, aber offene Fragen bleiben

Athleten Deutschland begrüßt den Beschluss der 53. Sportministerkonferenz in Norderney zur Gründung des Zentrums für Safe Sport. Die Einrichtung eines solchen Zentrums ist ein wichtiger Schritt, damit Betroffenen von Gewalt Zugang zu unabhängigen Untersuchungs- und Disziplinarverfahren erhalten können. Das Zentrum soll darüber hinaus Präventionsstandards setzen und Verbände bei deren Umsetzung sowie bei Aufarbeitungsprozessen unterstützen. „Der Beschluss macht den Weg frei, damit nach Jahren der Vorarbeit das Zentrum jetzt endlich gegründet werden kann", sagt Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland. Er nennt drei Aspekte, die jetzt zentral sind. „Erstens muss das Zentrum sofort gegründet werden. Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren. Zweitens muss der Aufbau des Zentrums mit großer Sorgfalt und transparent erfolgen, und drittens müssen die Spitzenverbände bereit sein, mit dem Zentrum zusammenzuarbeiten. Ansonsten wird es seine gewünschte Wirkung nicht entfalten können.“
Beschluss ein Meilenstein - Umsetzung des Safe Sport Codes entscheidend
Für Athleten Deutschland markiert der Beschluss zur Gründung einen bedeutenden Meilenstein. Bereits 2021 hat der Verein die Schaffung eines solchen Zentrums auf die sportpolitische Agenda des Bundes gesetzt und seitdem das Vorhaben intensiv vorangetrieben. Für die Wirksamkeit des Zentrums ist entscheidend, dass Spitzenverbände und Landessportbünde den auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2024 verabschiedeten Safe Sport Code zügig implementieren und wiederum ihre Mitgliedsorganisationen an den Code binden. Er bildet die Grundlage für ein einheitliches Regelwerk im organisierten Sport und ist Voraussetzung für den Anschluss an das Zentrum. Darüber hinaus müssen Verbände ihre Untersuchungs- und Sanktionsbefugnisse an das Zentrum übertragen, damit Betroffene sich überhaupt an die neue Stelle wenden können. Athleten Deutschland fordert deshalb seit geraumer Zeit, dass die Implementierung des Codes und die Übertragung der Zuständigkeiten zur Fördervoraussetzung im geplanten Sportfördergesetz werden. „Der wirksame Schutz von Menschen im Sport sollte nicht freiwillig sein. Die Bundesregierung muss hier endlich Entschlossenheit zeigen und ihre staatliche Schutzpflicht wahrnehmen“, sagt Johannes Herber.
Gleichzeitig sieht Athleten Deutschland die Länder in der Verantwortung, ihre Förderhebel zu nutzen, damit auch im Nachwuchsleistungs- und Breitensport die notwendigen rechtlichen Grundlagen für Untersuchungen und Disziplinarverfahren geschaffen werden.
Mehrere Handlungsbedarfe erfordern klaren Zeitplan
Für die anstehende Aufbauphase des Zentrums benennt Athleten Deutschland mehrere zwingende Handlungsbedarfe:
- die Rückkehr zum Aufgabenportfolio der ursprünglichen Roadmap für das Zentrum als Blaupause für den Aufbau
- die Schaffung einer bereichsspezifischen gesetzlichen Grundlage für den Umgang mit sensiblen Daten
- die Einrichtung eines unabhängigen, externen Schiedsgerichts als Berufungsinstanz
- die wirksame Einbindung von Betroffenen und ihren Vertreter*innen in den Aufbauprozess
- die Ausgestaltung eines sinnvollen Zuständigkeitssystems im Breitensport, damit Betroffenen auch dort von unabhängigen und kompetenten Schutzmechanismen profitieren können
- klare Zeitpläne mit überprüfbaren Meilensteinen, regelmäßige öffentliche Zwischenberichte und ein aktives Erwartungsmanagement gegenüber Betroffenen, Sportorganisationen, Politik und Öffentlichkeit.
Diese Punkte wurden im mehrjährigen Stakeholderprozess von Athleten Deutschland, Betroffenenvertretungen und weiteren maßgeblichen Akteuren wiederholt eingebracht. Es braucht eine klare Perspektive, wann und von wem diese offenen Fragen gelöst werden sollen. „Der Aufbau des Zentrums bleibt eine komplexe Aufgabe, die wenig Spielraum für Fehler zulässt. Wir appellieren daher eindringlich, jeden Schritt sorgfältig zu planen und jede Entscheidung auf ihre möglichen Folgen zu prüfen. Nur mit hoher Transparenz und der vertrauensvollen Einbindung der wichtigsten Akteure, insbesondere der Betroffenen, kann das notwendige Vertrauen in das Zentrum geschaffen werden“, sagt Herber.

