Hinrichtung von Navid Afkari: Athleten Deutschland fordert weitreichende Konsequenzen

Berlin, 15.9.2020. Die Tötung Navid Afkaris durch das iranische Regime ist ein grauenvoller Akt gegen die Menschlichkeit und eine unerträgliche Menschenrechtsverletzung an einem Athleten. Diese Tat kann für den Iran nicht folgenlos bleiben. Dessen Regierung instrumentalisiert den Sport für seine Zwecke und hat an Navid Afkari, einem protestierenden Sportler, ein Exempel statuiert. Iran ist nicht das einzige Land im internationalen Sport, das Menschenrechte missachtet, aber mit der Tötung des 27-jährigen Ringers Navid Afkari hat es eine Grenze überschritten. 

Seine Hinrichtung ist der entsetzliche Höhepunkt wiederholter Angriffe auf die Werte, die das Fundament der internationalen Sportgemeinschaft bilden. Die Taten des iranischen Regimes sind grundlegend unvereinbar mit einer fortgesetzten Mitgliedschaft des Iran in diesem Kreis. 

Maximilian Klein, Beauftragter für internationale Sportpolitik bei Athleten Deutschland: „Das Internationale Olympische Komitee und die Weltverbände müssen das iranische Regime mit sofortiger Wirkung vom internationalen Sportsystem ausschließen. Die Tatenlosigkeit des IOC ist inakzeptabel. Iranische Athletinnen und Athleten sollten weiterhin unter neutraler Flagge starten dürfen und geschützt werden. Die Sanktionen müssen sich gegen das Regime und die politische Führung richten. Auch das iranische olympische Komitee muss vom IOC suspendiert werden.“ 

Athleten Deutschland ist der Auffassung, dass ein Ausschluss des iranischen NOK vor dem Hintergrund der Geschehnisse vom Regelungsgegenstand der Olympischen Charta gedeckt ist. Im Übrigen wäre ein solcher Ausschluss historisch nicht erstmalig.  

Zu weiteren zwingenden Sanktionen gehören die Suspendierung der iranischen Spitzenverbände durch ihre Weltverbände und das Verbot der Ausrichtung jeglicher internationaler Sportveranstaltungen im Iran. Dem iranischen Regime und seinen Repräsentanten darf keine Öffentlichkeitswirksamkeit seitens des internationalen Sports ermöglicht werden. Die Sponsoren der olympischen Bewegung müssen sich vom iranischen Regime deutlich distanzieren.  

Die herausgehobene Stellung des Sports kann solche Gräueltaten, die täglich unzähligen Menschen widerfahren, weltweit sichtbar machen. Der Sport und seine Athlet*innen können eine wichtige Kraft sein, um solch gravierenden Missständen Aufmerksamkeit zu verleihen und gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. Es ist deshalb unausweichlich, dass der Sport selbst auf den Menschenrechten fußt und auf dieser Grundlage jene Menschen schützt, die in seinem Wirkungskreis stehen.  

An der Schnittstelle zwischen Menschenrechten und Sport können Sanktionen nur ein Baustein sein. Athleten Deutschland schlägt weitere Mindestmaßnahmen vor: 

  • IOC, Verbände sowie die Sponsoren der olympischen Bewegung müssen sich zu freier Meinungsäußerung und zu Athlet*innen bekennen, die für gesellschaftlichen Wandel eintreten. 
  • IOC, Verbände sowie die Sponsoren der olympischen Bewegung müssen die Todesstrafe, Folter sowie jegliche Form von menschenunwürdiger Behandlung von Athlet*innen sowie anderen Personengruppen verurteilen, die Teil der olympischen Bewegung sind oder sich in ihrem Wirkungskreis befinden.  
  • IOC und Verbände müssen die Entwicklung und Umsetzung ihrer Menschenrechtsstrategie beschleunigen und zügig umsetzen. Es ist längst überfällig, dass sich die tief humanistisch geprägte olympische Bewegung zur Wahrung der Menschenrechte verpflichtet

Athleten Deutschland begrüßt indes die Haltung der EU und der deutschen Bundesregierung, die die Tötung von Navid Afkari scharf verurteilten. Es ist nun Aufgabe der Politik, einen klugen Umgang mit dem Iran angesichts dieser jüngsten Entwicklungen zu finden. 

Klein ergänzt: „Gleichzeitig wünschen wir uns, dass das Thema Menschenrechte im Sport stärker Teil der außenpolitischen Agenda wird. Die Bundesregierung hat sich zu den international und universell anerkannten Menschenrechten bekannt und muss sich auch international für diese einsetzen – also auch beim IOC und den Weltverbänden. Nur wenn der internationale Sport sich verbindlich und kohärent zu den Menschenrechten bekennt, können Menschenrechtsverletzungen in seinem Wirkungskreis national wie international zur Rechenschaft gezogen werden. Die Autonomie des Sports darf nicht die Entkopplung von universell und global geltenden Rechten rechtfertigen. Hierfür muss sich auch die Politik gegenüber dem Sport stark machen und die wachsende Athletenbewegung unterstützen, die weitreichenden Wandel einfordert.“ 

Athleten Deutschland ruft Athletenvertretungen, -gruppen und Athlet*innen auf aller Welt auf, sich diesen Forderungen anzuschließen. 

Julia Hollnagel
Referentin für Kommunikation und Marketing
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