Stimme

Work in Progress: Interview mit Eishockeyspieler Patrick Reimer

Berlin, 31. Juli 2020. „Beste Bedingungen für Athlet*innen in allen Arenen“ – das ist unsere Mission. Mit euch, unseren Mitgliedern, arbeiten wir tagtäglich gemeinsam auf dieses Ziel hin. Ab sofort wollen wir euch regelmäßig zeigen, was sich in Sachen Mitsprache von Athlet*innen im Sportsystem tut.

Zum Auftakt haben wir mit Einshockeyspieler Patrick Reimer gesprochen, der zusammen mit anderen Spielern gerade einen großen Schritt hin zu mehr Mündigkeit der Athlet*innen in seiner Sportart macht:die Gründung einer Spielervereinigung. Wo die Vereinigung gerade steht, was die Beweggründe für den Zusammenschluss waren und wo es einmal hingehen soll, verrät Patrick in diesem Interview.

Kurz ein paar Sätze zu dir. Wer bist du?
Mein Name ist Patrick Reimer. Ich bin Eishockeyprofi in der DEL und war jahrelang mit der Eishockeynationalmannschaft unterwegs. 2018 hatte ich das Glück bei der Sensation „Olympia-Silber“ dabei zu sein. Ich bin zwar mittlerweile aus dem internationalen Geschäft ausgetreten, verfolge es aber immer noch und bin in der Liga nach wie vor aktiv.

Du bist gerade mit einigen anderen Spielern dabei eine Spielervereinigung im Eishockey zu gründen, wie kam das und wo steht ihr gerade?
Diesen Sommer kam es dazu, dass wir uns zusammengesetzt haben – vor allem auf Grund der Corona-Problematik – und dann haben wir uns entschieden, eine Vereinigung zu gründen.
Aktuell sind wir noch in der Gründungsphase. Es soll ein eingetragener Verein werden. Mittlerweile haben wir schon eine Satzung aufgesetzt, die wir gerade mit einem Anwalt prüfen. Zeitnah werden wir die Gründung vorantreiben. Nebenher gibt es natürlich einiges zu tun. Wir sind auf der Suche nach Sponsoren und Leuten, die uns unterstützen. Außerdem suchen wir aktive Mitglieder. Das sind zum einen Spieler der Deutschen Eishockey Liga aber auch aus anderen Ligen, denn wir wollen allgemein das deutsche Eishockey vorantreiben. Dann gilt es noch eine Website zu gestalten und Social Media ins Laufen zu bringen, um wirklich gut aufgestellt zu sein.

Wenn die Sportler zusammenhalten, kann etwas bewegt werden.

Ganz schön viel Arbeit …
Ja, definitiv. Am Ende profitiert der Sport und auch die Spieler davon. Die Jungs, die jetzt vorangegangen sind, sind die älteren Spieler. Wir hoffen, dass die jungen Spieler jetzt mit aufspringen und sich denken: Das ist eine gute Sache und wir können vielleicht in Zukunft davon profitieren. Wir wollen zeigen, was man bewegen kann, wenn man zusammenhält.

Was genau hat euch bewogen, eine Vereinigung zu gründen?
Grundsätzlich ist es so, dass wir seit vielen Jahren darüber reden, dass wir in Deutschland sowas brauchen – aber es hat noch nie jemand angepackt. Die großen Vorbilder gibt es aus Nordamerika, speziell im Eishockey mit der NHLPA. Was für uns in diesem Jahr ausschlaggebend war, war die Kommunikation, als es darum ging unsere Gehälter zu stunden. Die Kommunikation verlief nicht gut. Das ist zum Teil nachvollziehbar in der Hinsicht, dass es natürlich schwierig ist, jeden Spieler einzeln anzusprechen. Auf der anderen Seite sind die Spieler die Betroffenen und sollten ins Boot geholt werden, wenn es darum geht, dass die Verträge angepackt werden. Deswegen wollen wir die Kommunikation an der Stelle vereinfachen und vor allem eine geschlossene Stimme und eine gewisse Mündigkeit haben, um besser gehört zu werden.

Gibt es schon konkrete Ziele, die ihr erreichen wollt?
Unser Ziel ist erstmal, dass wir zusammenkommen und eben die gemeinsame Stimme schaffen. Desto mehr Mitglieder die Vereinigung hat, umso mehr werden wir auch wahr- und ernstgenommen. Deswegen wollen wir als erstes die Jungs versammeln. Nebenbei wollen wir aber auch Vorteile für die Jungs schaffen – zum Beispiel rechtliche Betreuung oder ein Netzwerk, um alle bestmöglich zu versorgen. Letztendlich wollen wir die Spieler so vertreten, dass sie gehört werden und zu ihren Rechten kommen. Auch die Vermarktung ist ein Thema – das ist im Eishockey ein bisschen stiefmütterlich behandelt worden. Hätten wir nicht den Olympiaerfolg gehabt, wären viele Spieler gar nicht bekannt geworden. Wir wollen die Gesichter nach außen bringen.

Eine Frage in eigener Sache: Konnte euch Athleten Deutschland bei der Gründung der Vereinigung unterstützen?
Auf jeden Fall. Einmal war es toll, dass direkt die Fühler ausgestreckt wurden und der Kontakt gesucht wurde. Interessanterweise über Social Media – da sieht man, was heute alles möglich ist. Für uns war es super, weil wir von der Erfahrung profitieren konnten. Im Grunde sind die Dinge, die man im Sport anpacken will, oft sehr ähnlich. So hatten wir direkt jemanden, der die Erfahrungen in den Jahren zuvor gesammelt hatte. Es gab einen super Austausch und ein offenes Verhältnis. Wenn die Sportler zusammenhalten, kann etwas bewegt werden. Wir waren sehr froh, dass wir da direkt am Anfang positive Stimmen und Tipps bekommen konnten.

Wie wichtig ist es dir persönlich, dass Sportler mündig sind und zum Beispiel eine Spieler-Vereinigung gründen, so wie ihr das jetzt macht?
Extrem wichtig! Letztendlich ist es der Sportler – das hört sich zwar doof an – aber der Sportler ist das Produkt, das verkauft wird und derjenige, der im Mittelpunkt steht. Und deswegen sollte der Sportler auch aktiv mitbestimmen können, wenn es um ihn geht. Der Sportler investiert sein ganzes Leben. In anderen Sportarten, die nicht im Profibereich angesiedelt sind, trifft das noch viel mehr zu. Besonders in Olympischen Jahren müssen die Sportler hart für ihren Erfolg arbeiten und viel investieren. Da sollte ein Mitspracherecht vorhanden sein. Es ist extrem wichtig, dass der Sportler gehört wird.